Kubatur 46500, Graphic: Alexandra Berlinger

Kubatur - 46.500 oder Was heißt zurückgeben im 21. Jahrhundert?

Di, 19. Dez 2023

19:00 Uhr

@↥ Deck﹢Terrace ⛱

Ausstellungs-Dauer / Exhibition-Timeframe:

19.12.202318.01.2024

w/

Sabine Bitter & Helmut Weber in Zusammenarbeit mit AFRIEUROTEXT

Samson Ogiamien

kuratiert von/curated by:

Sabine Bitter & Helmut Weber in Zusammenarbeit mit AFRIEUROTEXT


Rahmenprogramm 19:00-22:00

Die Eröffnungsveranstaltung mit Beiträgen von AFRIEUROTEXT zur Auseinandersetzung mit Kolonialismus, Rückgabe und Gerechtigkeit und die Präsentation der anamorphen Darstellung, die je nach Standpunkt entweder ein verzerrtes oder ein lesbares Bild ermöglicht, demonstriert unerwartete neue textuell - zeichenhafte, afrikanisch-europäischen Beziehungen sowie sich immer neu gestaltende Bezüge zwischen den Common-Spaces des FLUCC und seinen Nachbarschaften.


Afrikanische Kulinarik als Teil des Kulturangebots von AFRIEUROTEXT

Eine poetische Intervention des Bildhauers Samson Ogiamien über die aktuellen Versuche einer historischen Neuausrichtung; Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Probleme des afrikanischen Kulturerbes in europäischen Museen, eine künstlerische Auseinandersetzung mit den vielfältigen Bedeutungsebenen eines zum Museumsstück gewordenen Ritualobjekts, die Schaffung eines hybriden Kunstwerks und eines zeitgenössischen und transkulturellen künstlerischen Rituals.


Statement von AFRIEUROTEXT:

Was heißt zurückgeben im 21. Jahrhundert?

Es geht keineswegs darum, Bundesmuseen auszuleeren, sondern eher darum, dass die Restitutionsdebatte in Österreich von der Bundesregierung und von österreichischen Bundesmuseen als eine Chance wahrgenommen wird, einen inklusiven und differenzierten Dialog mit der afrikanischen Diaspora Österreichs zu fördern und zu stärken, auf eine nachhaltige und inklusive Zusammenarbeit mit den afrikanischen Diasporagemeinden hinzuarbeiten, die Komplexität der Restitutionsfrage anzugehen sowie die Gegenwart und Zukunft gemeinsam zu gestalten. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit und der Inklusion afrikanischer Akteur*innen und Diasporaorganisationen als Schlüsselpartner*innen in den Prozess der Lösung komplexer gesellschaftlicher Angelegenheiten. Beteiligung auf allen Entscheidungsebenen: Co-Produktion; Co-Sharing; Mitverantwortung.

Der kuratorische Beitrag von AFRIEUROTEXT zu dieser künstlerischen Intervention ist ein Aspekt des AFRIEUROTEXT-Projekts WIRD (Wertschätzung und Inklusion gegen Rassismus und Diskriminierung). Es geht darum, Rassismusbetroffene psychisch zu empowern, das Bewusstsein für gesellschaftliche, psychische und physische Folgen von Rassismus und Diskriminierung zu schärfen und deswegen vor allem eine Kultur der Wertschätzung und Inklusion zu fördern und zu fordern. Es handelt sich darum, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und Frieden zu stiften.

Die großformatige Bild-Text-Installation „46.500 oder Was heißt zurückgeben im 21. Jahrhundert?” an der Außenfassade des FLUCC wurde in Zusammenarbeit von AFRI-EUROTEXT, dem Kulturverein mit Buchhandlung an der Lassallestraße und den Künstler:innen Sabine Bitter und Helmut Weber entwickelt. Hintergrund für die Arbeit ist das 150-Jahr Jubiläum der Wiener Weltausstellung am heutigen Gelände des Praters, in der sich 1873 eine nationalistisch-imperiale und koloniale Welt zur Schau stellte und die in Bildern, Repräsentationspolitiken und geraubten Kunst- und Kulturobjekten in europäischen Museen noch immer gespenstisch nachwirkt.

Erst knapp 150 Jahre später stellten sich Kolonialmächte wie Frankreich, England oder Deutschland diesem kolonialen Erbe und begannen mit der teilweisen Rückgabe des kolonialen Raubguts. In Österreich herrscht nach wie vor Ignoranz gegenüber kolonialer Geschichte und der Komplizenschaft in der Aneignung von Kunst- und Kulturgütern afrikanischer Provenienz.  Die Arbeit fordert für die nur mühsam in Gang kommenden Restitutionsdebatte ein zeitgemäßes Verständnis von Rückgabe angesichts 46.500 kolonialer Artefakte, die sich in österreichischen Kulturinstitutionen befinden. 

Künstlerische Arbeiten:

Sabine Bitter & Helmut Weber, 46.500 oder Was heißt zurückgeben im 21. Jahrhundert?, 2023, anamorphes Bild an der Flucc-Außenfassade

Das anamorphe Bild einer Bronze-Maske der Königinmutter Idia aus dem ehemaligen Königreich Benin, angebracht an den fragmentierte Fassadenflächen der Architektur, fordert von den Betrachter:innen eine dezidierte Position und Positionierung. Texte, die die Praktiken der Restitution mit Fragen nach Gerechtigkeit verbinden, und die nach reziproken europäisch-afrikanischen Beziehungen fragen, begleiten das Bild.

Biografien der Künstler:innen und Kooperationspartner:innen

Sabine Bitter und Helmut Weber: Die in Wien und Vancouver lebenden Künstler:innen arbeiten zu Politiken, wie Städte, Architekturen und urbane Territorien über Bilder verhandelt werden. Ihre fotografischen, raumbezogenen und recherche-orientierten Arbeiten fokussieren Momente, Logiken und Konflikte urbaner Transformationsprozesse. 2004 gründeten sie mit Jeff Derksen das Forschungskollektiv Urban Subjects.

Samson Ogiamien arbeitet als Bildhauer und wurde in der Hauptstadt des Königreichs Benin, Nigeria, geboren und lebt und arbeitet heute in Graz, Österreich. Durch seine Familienlinie gehört er zur Dynastie der Ogiamiens und auch zur Gilde der königlichen Benin-Bronzegießer.

AFRIEUROTEXT ist ein Kulturverein und Buchhandlung in der Lassallestraße 20 Tür 3 im 2. Wiener Gemeindebezirk. Die Initiative versteht sich als kritische literarische, kulturelle, künstlerische und wissenschaftliche Organisation, die Zeichen und Texte aus dem afrikanischen sowie europäischen Kontinent oder Texte mit Bezug zu Afrika sowie zu afrikanisch-europäischen Beziehungen einem breiten österreichischen Publikum näherbringt.

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Programm for the opening

The opening event with contributions by AFRIEUROTEXT on the debate about colonialism, restitution and justice and the presentation of the anamorphic representation, which allows either a distorted or a legible image depending on the point of view, demonstrates unexpected new textual-symbolic African-European relationships as well as constantly reshaping references between the common spaces of the FLUCC and its neighbourhoods.

African cuisine as part of the cultural programme of AFRIEUROTEXT

A poetic intervention by the sculptor Samson Ogiamien on the current attempts at historical reorientation; attantivness of the public to the problems of African cultural heritage in European museums, an artistic examination of the multiple levels of meaning of a ritual object that has become a museum piece, the creation of a hybrid work of art and a contemporary and transcultural artistic ritual.

Statement AFRIEUROTEXT:

What does restitution mean in the 21st century?

It is by no means a question of emptying out federal museums, but rather that the restitution debate in Austria is perceived by the federal government and Austrian federal museums as an opportunity to promote and strengthen an inclusive and differentiated dialogue with the African diaspora in Austria, to work towards sustainable and inclusive cooperation with the African diaspora communities, to address the complexity of the restitution issue and to shape the present and future together. It is a question of justice and the inclusion of African actors and diaspora organisations as key partners in the process of resolving complex social issues. Participation at all levels of decision-making: Co-production; co-sharing; co-responsibility.

AFRIEUROTEXT's curatorial contribution to this artistic intervention is an aspect of the AFRIEUROTEXT project WIRD (appreciation and inclusion against racism and discrimination). The aim is to empower people affected by racism psychologically, to raise awareness of the social, psychological and physical consequences of racism and discrimination and, above all, to promote and demand a culture of appreciation and inclusion. It is about strengthening social cohesion and creating peace.

The large-format image-text installation "46,500 or What does it mean to give back in the 21st century?" on the exterior façade of the FLUCC was developed in collaboration with AFRIEUROTEXT, the cultural association with bookshop on Lassallestraße and the artists Sabine Bitter and Helmut Weber.

The background to the work is the 150th anniversary of the Vienna World Exhibition on the present-day site of the Prater, where a nationalist-imperial and colonial world was on display in 1873 and which still has a ghostly effect in images, representational policies and looted art and cultural artefacts in European museums.

It was not until almost 150 years later that colonial powers such as France, England and Germany confronted this colonial legacy and began to return some of the looted artworks. In Austria, ignorance of colonial history and complicity in the appropriation of art and cultural belongings of African provenance still prevails. The work calls for a contemporary understanding of restitution in view of the 46,500 colonial artefacts that are in Austrian cultural institutions.

Artistic works:

Sabine Bitter & Helmut Weber, 46,500 or What does it mean to give back in the 21st century? 2023, anamorphic Image on the Flucc-wall

The anamorphic image of a bronze mask of the Queen Mother Idia from the former Kingdom of Benin, attached to the fragmented facade surfaces of the architecture, demands a determined position and positioning from the viewer. The image is accompanied by texts that link the practices of restitution with questions of justice and that enquire into reciprocal European-African relations.

Biografies of the artists and cooperationpartners

Sabine Bitter and Helmut Weber: Vienna- and Vancouver-based artists, who work on the politics of how cities, architectures and urban territories are negotiated through images. Their photographic, site-specific and research-oriented works focus on moments, logics and conflicts of urban transformation processes. In 2004 they founded the research collective Urban Subjects with Jeff Derksen.

Samson Ogiamien was born in the capital of the Kingdom of Benin, Nigeria, and now lives and works in Graz, Austria. Through his family line, he belongs to the Ogiamien dynasty and also to the guild of royal Benin bronze casters.

AFRIEUROTEXT is a cultural association and bookshop at Lassallestraße 20, door 3 in Vienna's 2nd district. The initiative sees itself as a critical literary, cultural, artistic and scientific organisation that brings signs and texts from the African and European continent or texts relating to Africa and African-European relations closer to a broad Austrian audience.